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Interview mit Personaldezernent Wolfgang Traub

"In den kommenden Jahren wird die Zahl der Gemeindeglieder pro Pfarrstelle durch die anstehenden Pfarrpläne und damit verbundenen unumgänglichen Stellenreduzierungen ansteigen", sagt Personaldezernent Wolfgang Traub im Kurzinterview. Deshalb werde es notwendig sein, dass die bisher erfolgten Überlegungen zur Konzentration im Pfarrdienst in einen Verständigungsprozess innerhalb unser Landeskirche einfließen, der kläre, was zu den Aufgaben des Pfarrdienstes gehört und was nicht.

Herr Traub, seit 1. Januar 2010 sind Sie Leiter des Dezernates Theologische Ausbildung und Pfarrdienst im Evangelischen Oberkirchenrat, was sind Ihre ersten Erfahrungen im neuen Amt?
Nach Umzug und einigen Urlaubstagen habe ich meinen Dienst am 11. Januar aufgenommen. In den zurückliegenden Tagen habe ich ein gutes, offenes und vertrauensvolles Miteinander im Oberkirchenrat und im Dezernat erlebt, das mir das Ankommen sehr erleichtert hat. Die meisten der anstehenden Themen sind mir aus meinem seitherigen Amt als Dekan und als ehemaliges Mitglied und zweiter stellvertretender Präsident der Landessynode vertraut. Ich erlebe es daher als sicherlich nicht einfache, aber interessante und herausfordernde Aufgabe, mit neuer Perspektive und Verantwortung in Zusammenarbeit mit vielen anderen an den Themen, die die theologische Ausbildung und den Pfarrdienst unserer Landeskirche betreffen, weiter zu arbeiten und beides weiter zu entwickeln.

Sie sind für die Besetzung von reichlich 2.300 Pfarrstellen in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zuständig, wie gehen Sie vor, um für jede Stelle den richtigen Pfarrer und für jeden Pfarrer die richtige Stelle zu finden?
Die Besetzung von Pfarrstellen ist ein komplexes System, in dem viele mitwirken. Angefangen beim Besetzungsgremium, das von der Prälatin bzw. dem Prälaten geleitet wird, in dem die Stellenausschreibung erarbeitet und in diesem Zusammenhang auch das Profil der Stelle und der Kirchengemeinde sowie die Erwartungen an die künftige Stelleninhaberin bzw. den künftigen Stelleninhaber formuliert wird. Dazu gehören unter anderem dann auch Personalentwicklungsgespräche mit der Dekanin bzw. dem Dekan, Ergebnisse aus Visitation und Beurteilung, die Beratungen hier im Dezernat und extern, die persönliche Entscheidung zur Bewerbung, Auswertung der eingegangenen Bewerbungen, die Entscheidung des Kollegiums und schließlich die Wahl des Besetzungsgremiums. In den vergangenen Jahren wurde vieles erarbeitet, damit das Zusammenwirken der einzelnen Faktoren verbessert werden konnte. Daran möchte ich gerne in meinem Verantwortungsbereich weiterarbeiten und dieses Zusammenwirken gemeinsam mit anderen weiter entwickeln.

Was sollte eine Pfarrerin, ein Pfarrer können?
Die Kenntnisse und Fähigkeiten, die Voraussetzungen für den Pfarrberuf sind in den Prüfungs- und Ausbildungsordnungen geregelt und als Grundqualifikationen beschrieben. Dazu gehören theologische Kompetenz, Wahrnehmungs- und Reflexionsfähigkeit, der Umgang mit den verschiedenen Rollen und Erwartungen, die Fähigkeit Menschen anzusprechen, ihnen in Verkündigung und Seelsorge vom Evangelium her verantwortete Antworten auf ihre Glaubens und Lebensfragen zu geben, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu begleiten, Gruppen und Prozesse kompetent zu leiten, zu unterrichten und anderes mehr. Dadurch, dass Pfarrerinnen und Pfarrer sich mit ihrer Person, ihren jeweiligen Gaben und Fähigkeiten einbringen und diesen Beruf mit Freude und Engagement ausüben, entstehen die Vielfalt und der Reichtum, den wir in unserer Landeskirche im Pfarrdienst haben.

Was sind die Herausforderungen im Pfarrberuf in den nächsten Jahren?
In den kommenden Jahren wird die Zahl der Gemeindeglieder pro Pfarrstelle durch die anstehenden Pfarrpläne und damit verbundenen unumgänglichen Stellenreduzierungen ansteigen. Deshalb wird es notwendig sein, dass die bisher erfolgten Überlegungen zur Konzentration im Pfarrdienst in einen Verständigungsprozess innerhalb unser Landeskirche einfließen, der klärt, was zu den Aufgaben des Pfarrdienstes gehört und was nicht. Auch unter den sich verändernden Bedingungen soll und muss aus meiner Sicht Raum bleiben für Seelsorge, theologische Arbeit, geistliches Leben und eigene Schwerpunktsetzung. Eine wichtige Rolle wird dabei auch die Begleitung durch Dekaninnen und Dekane, die Visitation und die Beratung der Gemeinden spielen. Dazu gehört auch, dass die Zusammenarbeit der Pfarrerinnen und Pfarrer gefördert wird und die Möglichkeiten der kollegialen Beratung und der geistlichen Begleitung erweitert werden.

(Januar 2010)

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