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Gespräch mit Frau Gulistan Nas, Vorstandsmitglied der Kurdischen Gemeinde Deutschland und selbst Christin, zur Situation der Christen in Syrien

Filderstadt/2026-02-19

Dan Peter (Sprecher des Landesbischofs): 

Liebe Frau Nas, können Sie uns etwas über die Situation der Christen in Nordsyrien berichten? 

Gulistan Nas: 

Die Situation religiöser Minderheiten vor Ort ist insgesamt sehr prekär – dazu gehören Christen ebenso wie Jesiden und andere historisch besonders bedrohte Gemeinschaften. Es wird von Enteignungen, nächtlichen Abholungen und Markierungen von Häusern berichtet. Bereits unmittelbar nach dem Sturz des Assad-Regimes Anfang 2025 berichteten Menschenrechtsorganisationen von einer deutlichen Zunahme der Gewalt gegen Minderheiten, darunter auch Christen. Durch dschihadistische Milizen – insbesondere HTS, deren Mitglieder in die syrischen Streitkräfte eingegliedert wurden – gab es Hinrichtungen von Alawiten und Drusen, Übergriffe auf Kirchen und gezielte Angriffe auf christliche Gemeinden. Besonders im Norden und Westen des Landes, in der Region um Idlib sowie in Teilen des Nordostens, wo viele assyrisch-aramäische Christen leben, wird von einer hohen Bedrohungslage gesprochen. Die jüngsten Angriffe seit Anfang Januar richten sich vor allem gegen die kurdische Bevölkerung und die dort seit über zehn Jahren aufgebauten Selbstverwaltungsstrukturen. Unter der Selbstverwaltung im Nordosten verfügten Christen in den vergangenen zehn Jahren über institutionell verankerte Schutzrechte. Durch die aktuellen Entwicklungen stehen auch diese Schutzmechanismen unter Druck. 

Deshalb ist es entscheidend, die Situation genau zu beobachten und die Stabilität solcher Strukturen nicht leichtfertig zu gefährden. Gerade innerhalb der christlichen Minderheit vor Ort ist die Sorge natürlich groß, da die derzeitige Führung eine Vergangenheit im Umfeld dschihadistischer Organisationen wie der Al-Kaida oder der Al-Nusra hat und sich davon nicht distanziert. Man sieht zudem immer wieder bei Kämpfern der syrischen Übergangsregierung Symbole des sogenannten Islamischen Staates an der Uniform. Natürlich verstärkt all das die Sorge und Angst innerhalb der christlichen Gemeinschaft vor Ort, die in den letzten Jahrzehnten ohnehin schon stark abgenommen hat. Wenn wir zu Beginn des Bürgerkrieges von zehn Prozent christlicher Bevölkerung gesprochen haben, sprechen wir im Moment nur noch von schätzungsweise zwei Prozent. 

Dan Peter:

Sie haben hier noch andere Perspektiven. In Deutschland gibt es viele syrische Geflüchtete, auch viele Kurden aus der Türkei und aus Syrien. Wie sehen Sie die Situation der Christen hier oder überhaupt die Situation der Geflüchteten? Wie nehmen Sie als Deutsch-Kurdin die Situation wahr? 

Gulistan Nas: 

Viele Menschen mit familiären oder biografischen Bezügen zu Syrien beschäftigt es sehr, dass Deutschland – ein Staat, der sich auf ein christlich-humanistisches Wertefundament beruft – derzeit eher zurückhaltend auf die besorgniserregenden Entwicklungen reagiert. Sie wünschen sich deutlichere politische Signale und mehr Aufmerksamkeit für die Situation der Minderheiten.

Als zivilgesellschaftliche Organisation haben wir versucht, den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern zu suchen und Gespräche mit verschiedenen Parteien zu führen. Die Problemlage ist bekannt, sie wird beobachtet – doch aus Sicht vieler Betroffener sind die öffentlichen Stimmen bislang zu leise. Das ist problematisch, weil fehlender internationaler Druck dazu führen kann, dass neue Machtstrukturen sich ohne klare menschenrechtliche Orientierung festigen. Vertrauen entsteht nur dort, wo Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und der tatsächliche Schutz von Minderheiten sichtbar werden.

Für viele Menschen hier in Deutschland bleibt die Situation emotional belastend. Sie verfolgen die Entwicklungen aus der Distanz und fühlen sich oft machtlos. Viele wissen, dass eine anhaltende Destabilisierung Syriens nicht auf die Region begrenzt bleibt. Wenn extremistische Kräfte gestärkt werden und Minderheiten weiter unter Druck geraten, führt das zu neuer Flucht, zu weiterer Radikalisierung und zu langfristiger Instabilität. Das betrifft auch Europa – sicherheitspolitisch, gesellschaftlich und humanitär. Mich persönlich trägt mein Glaube in dieser Situation. Gleichzeitig ist die deutsch-kurdische und die deutsch-syrische Community religiös und weltanschaulich vielfältig – nicht alle teilen diese Perspektive. Unabhängig vom Glauben eint viele das Gefühl der Sorge und Hilflosigkeit angesichts der Lage ihrer Angehörigen und Herkunftsregionen.

Dan Peter: 

Jetzt frage ich ganz bewusst als Vertreter der Evangelischen Kirche, was können wir Christen für die Situation tun? 

Gulistan Nas: 

Zunächst ist es wichtig, genau hinzuschauen und sich fundiert über die Situation zu informieren. Auch wenn die Berichterstattung in Deutschland zu Syrien momentan sehr begrenzt ist, gibt es heutzutage zahlreiche Möglichkeiten, sich über verlässliche Quellen ein Bild zu machen. Kirche hat eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft. Sie übernimmt nicht nur seelsorgerische Aufgaben, sondern verfügt auch über moralischen, gesellschaftlichen und politischen Einfluss. Sie und damit alle Christen tragen eine besondere Verantwortung und haben die Möglichkeit, gesellschaftliche Debatten mitzuprägen. Es kommt hier auf jeden Einzelnen an. Konkret bedeutet das: informiert bleiben, aufmerksam machen, die eigene Stimme erheben. Das Gebet ist für viele Betroffene eine wichtige Form der Solidarität. Darüber hinaus sind humanitäre Unterstützung und konkrete Hilfsprojekte entscheidend – auch wenn die Umsetzung vor Ort derzeit mit erheblichen Herausforderungen verbunden ist.

Dan Peter: 

Vielen Dank, Frau Nas.